Den Bausektor kreislauffähig und CO2 neutral gestalten – wie geht das?

Vom Handwerksgrün-Kongress im September 2022

Fachforum Bauwende

 

Blick ins Fachforum Bauwende
Foto: Sebastian Lederer; Bearbeitung: Astrid Hilt

Astrid Hilt und Andreas Birzele

Im Fachforum Bauwende nahmen Zimmrermeister Gerd Ribbeck und Stefan Bauer, Ingenieur für regenerative Energietechnik und Aktivist bei Architects for future, die Themen Abrisstipp, kreislauffähiges Bauen und Dekarbonisierung in den Fokus.

Im Bausektor wird sich entscheiden, ob die Klimaziele eingehalten werden können, oder nicht. 38% der vom Menschen gemachten Treibhausgase entstehen beim Bau und Betrieb von Gebäuden. Darüber hinaus sind genau in diesem Bereich die Weichen für die Ressoucenwende und die Sicherung der Biodiversität zu stellen. Damit die Bauwende funktioniert, braucht es jetzt den passenden politischen Rahmen, der unterstützt statt zusätzliche Hindernisse zu schaffen. Seit vielen Jahren gibt es Anreize für energiesparende Häuser – von Zuschüssen über günstige Kredite. Aber bei allem politischen Willen zur energetischen Sanierung findet die Kreislauffähigkeit im Bausektor noch immer nicht die gebührende Berücksichtigung.

Das Foto zeigt drei Personen.

 

von links nach rechts:
Astrid Hilt, Steinmetzmeisterin und Bundessprecherin von HandwerksGrün; Emily Brüning, Bundesgeschäftsführerin der Partei Bündnis 90/Die Grünen; Andreas Birzele, Schreinermeister und HandwerksGrün-Koordinator in Bayern.

Dabei sollte dringend in erster Linie jeder Neubau und jeder Abriss kritisch hinterfragt werden. Denn dabei werden nicht nur wertvolle wie schwindende Ressourcen verbraucht, sondern auch Energie: Im Lebenszyklus eines Gebäudes schlägt die sogenannte „graue Energie“, die für die Herstellung des Gebäudes und der Baumaterialien aufgewendet werden muss, in der Regel stärker zu Buche als der Betrieb. Dadurch ist auch vom Aspekt des Energiebedarfs her gesehen, eine Sanierung dem Neubau – selbst dem von Passivhäusern – vorzuziehen.Aber auch die Wahl der Baustoffe ist in vielerlei Hinsicht von ökologischer Bedeutung: Tropenholz, PVC-Fußbodenbeläge, chemische Lösungsmittel – wir können uns für billige Materialien entscheiden oder aber anders denken. Alternativen sind regionale, nachwachsende und wohngesunde Materialien.

Die Wahl des Baumaterias beeinflusst maßgeblich den Gesundheitszustand der Nutzer von Gebäuden und unsere Umwelt. Zudem wird die regionale Wertschöpfungskette besser ausgenutzt und die Wirtschaft in all ihren Sparten vor Ort unterstützt.

Außer dem geschickten Einsatz nachwachsender Materialien wie Holz, Stroh, Schafswolle oder Flachs müssen weitere kreislaufgerechte Materialien, wie Lehm und Naturstein verwendet werden, die richtig eingebaut zerstörungsfrei voneinander lösbar sind und somit wiederverwendet werden können. Das Gebäude verliert so über seinen Lebenszyklus nicht an Wert, sondern kann dekonstruiert und verkauft werden – teilweise kann dabei sogar Kohlendioxid eingelagert werden, wodurch eine negative Klimabilanz erreichbar wird.

Schon heute wird der überwiegende Teil des anfallenden Bauschutts wiederverwendet. Jedoch handelt es sich hierbei weniger um Recycling als um Downcycling, die Qualität und Funktionalität wird verschlechtert. Dem muss durch echtes kreislaufgerechtes Konstruieren entgegengewirkt werden. Es kann nicht sein, dass Bauschutt vorwiegend nur als Untergrund für neue Straßen wiederverwendet wird. Wenn Gebäude abgerissen werden, müssen Rohstoffe systematisch erfasst und zurückgewonnen werden. Primärrohstoffe sind endlich – Die Verwendung von Sekundärmaterialien unabdingbar! Mittlerweile findet man verschiedene Online-Portale, auf denen gebrauchte Baustoffe erworben werden können. Bautätigkeiten gehen oft mit einem enormen Flächenverbrauch einher, wodurch wertvolle Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt zerstört werden. Versiegelte Flächen verlieren zudem den Nutzen zur Nahrungsproduktion, Naherholung und Regenwasserversickerung. Verantwortungsvolles Planen kann die Zerstörung von Naturräumen nicht nur mindern, sondern bietet auch das Potential die Artenvielfalt und gesunden Lebensraum zu fördern.

 

HandwerksGrün e.V. Bundessprecherin Astrid Hilt und Bayern Koordinatior Andreas Birzele hier mit Emily Büning, politische Geschäftsführerin Bündnis 90/die Grünen (Mitte)

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